Das Fachsymposium „Brennpunkt Alpines Bauen“ verwandelte am 22. Oktober 2025 die Fachhochschule Salzburg erneut zum Treffpunkt für Fachleute aus Architektur, Bauwirtschaft, Forschung und Verwaltung. Im Rahmen der österreichisch-liechtensteinischen EUSALP-Präsidentschaft stand das Symposium ganz im Zeichen der Frage, wie zukunftsfähiges Bauen im alpinen Raum gelingen kann.
Bauen neu denken – innovativ, zirkulär, digital
Das zwölfte Fachsymposium Brennpunkt Alpines Bauen brachte Expert:innen aus Forschung, Verwaltung und Wirtschaft zusammen, um die Zukunft des Bauens im Alpenraum zu diskutieren. Die Vorträge präsentierten Lösungsansätze für eine klimaneutrale, ressourcenschonende und zirkuläre Bauwirtschaft. „Die Alpenregion trägt besondere Verantwortung, nachhaltige Strategien im Bauwesen zu entwickeln. Das Land Salzburg will dabei Vorreiter sein,“ so Landesrat Martin Zauner bei der Eröffnung.
Spannende Holzbauvorträge: Rückbau, Wiederverwendung, Digitalisierung
Rückbauorientiertes Planen und Bauen im Holzbau
Jörg Koppelhuber (KOPPELHUBER² und Partner ZT) zeigte, wie Holzbau zum Motor der Kreislaufwirtschaft werden kann. Sein frei zugänglicher Leitfaden „Rückbauorientiertes Planen und Bauen im Holzbau“ bewertet Konstruktionen und Details nach Demontierbarkeit. Entscheidend seien lösbare Verbindungen, offene Installationsschichten und eine gute Dokumentation. Sein Appell: Zirkuläres Bauen gelingt, wenn Rückbau schon in der Planung mitgedacht wird.
HasleTre – Skandinavisches Vorbild für zirkuläres Bauen
Das norwegische Projekt HasleTre, vorgestellt von Jørgen Tycho (Oslo Tree), demonstriert, wie biobasierte Materialien, präzise Vorfertigung und Holzverbindungen ein vollständig demontierbares Bürogebäude ermöglichen. Ohne Verklebung und Metallverbinder bleibt die Struktur zu 100 % wiederverwendbar – bei rund 60 % weniger Emissionen. Ein lebendiges Beispiel, wie zirkuläres Bauen technisch, ökologisch und architektonisch überzeugen kann.
Digitale Werkzeuge für den Holzbau
Elisabeth Dürnberger (FH Salzburg) präsentierte das Forschungsprojekt Loft Concept, das parametrische Holzbausysteme für Aufstockungen und Nachverdichtung entwickelt. Ein digitales Tool unterstützt Planer:innen dabei, Bauteile automatisch zu dimensionieren und ökologische Kennwerte zu berechnen. So wird Holzbau effizienter, vergleichbarer und nachhaltiger – Digitalisierung als Schlüssel zur klimafreundlichen Nachverdichtung.
Materialkreisläufe, Recycling und Technologie
Weitere Beiträge und Vortragsthemen zeigten die Vielfalt aktueller Ansätze:
- Matthias Heinrich (EPEA/Drees & Sommer) präsentierte Modelle zur Wiederverwendung von Baustoffen, Peter Kneidinger (Materialnomaden) praktische Re-Use-Beispiele im alpinen Raum.
- Clemens Deisl (Deisl Beton) zeigte mit CICO-2, wie CO₂ dauerhaft in Recyclingbeton gebunden werden kann.
- Technologische Innovationen stellten Max-Frederick Gerken (OptoCycle) mit KI-basierter Baustoffanalyse und Alice Benussi (Optimuse) mit automatisierten Gebäudesimulationen vor.
- Das slowenische BAUHALPS-Pilotprojekt verband Denkmalschutz mit zirkulärer Baupraxis – ein Beispiel, wie auch kulturelles Erbe Teil der Transformation werden kann.
Neue Narrative für das Bauen der Zukunft
Zum Abschluss verdeutlichte Stefan Stockinger, wie sehr Geschichten unser Bauverständnis prägen. Erst neue Narrative über Sanierung, Gemeinschaft und Werterhaltung schaffen Akzeptanz für nachhaltige Bauweisen. Veränderung beginnt im Kopf – und mit der richtigen Geschichte.
Fazit und Ausblick
Die Veranstaltungsinitiative „Brennpunkt Alpines Bauen“ bündelt unter der Federführung der Innovation Salzburg jährlich alle Akteur:innen rund um das Thema Bauen. Der Holzcluster Salzburg unterstützt die Initiative seit vielen Jahren. Gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Praxis und Verwaltung werden Herausforderungen, Chancen und Stärken der Branche offen diskutiert. Projekte wie BAUHALPS zeigen, welches Potenzial die Alpenregionen für ressourcenschonendes Bauen bieten. Der Blick nach Skandinavien beweist: Rückbaubarkeit und Wiederverwendung sind keine Vision, sondern gelebte Praxis. Wir blicken gespannt auf das Bauen der Zukunft!
Fotos: Innovation Salzburg/Benedikt Schemmer
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