Wie können Sägewerke ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig sichern? Beim Impulsabend in Kuchl drehte sich alles um praxisnahe Lösungen für mehr Effizienz und Zukunftsfähigkeit. Dabei wurden Themenbereiche wie optimierte Materialflüsse, strategisches Energiemanagement, neue Anforderungen durch die EUDR sowie einfache digitalen Nachrüstlösungen im Betrieb vorgestellt. Die Veranstaltung verdeutlichte, dass sich mit klaren Strukturen und gezielten Innovationen auch in herausfordernden Zeiten entscheidende Vorteile schaffen lassen.
Aktuelle Informationen für Effizienz & eine zukunftsorientierte Holzverarbeitung
Der globale Wettbewerb, schwankende Rohstoffpreise und steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Energieeffizienz stellen die Säge- und Holzindustrie zunehmend vor Herausforderungen. Gerade in der Sägewirtschaft, wo Margen stark von Ausbeute, Durchsatz und Energieeinsatz abhängen, wird die kontinuierliche Optimierung von Prozessen zur Effizienz-Steigerung zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Am 18.03.2026 lud der Holzcluster Salzburg gemeinsam mit dem umwelt service salzburg zum Impulsabend beim Wimmer Holz in Kuchl ein.
Ressourceneffizienz im Sägewerk
Den Auftakt machte Martin Hiebler, Unternehmer und Berater, mit der klaren Botschaft: Effizienz beginnt nicht bei der Maschine, sondern bei der Organisation. Gerade in Sägewerken, wo Materialflüsse, Sortierung und Nebenproduktnutzung eng miteinander verzahnt sind, entscheidet eine klare Struktur über die tatsächliche Ressourcennutzung. Hiebler betonte, dass Betriebe ihre internen Abläufe so gestalten müssen, dass Verluste entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichtbar und messbar werden, das gilt vom Rundholzeingang bis zur Weiterverarbeitung von Sägenebenprodukten.
Bereits einfache Maßnahmen, wie definierte Materialflüsse, strukturierte Arbeitsplätze oder standardisierte Abläufe in der Sortierung können helfen, unnötige Wege, Stillstände und Materialverluste zu vermeiden. Ziel sei es, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der kontinuierliche Verbesserung (KVP) im Alltag verankert ist und von den Mitarbeitenden aktiv mitgetragen wird.
Stromlasten & Lastmanagement
Andreas Radauer, Unternehmer und Berater, stellte die Rolle der Energieeffizienz als zentralen Wettbewerbsfaktor in der Holzindustrie in den Mittelpunkt. Energieintensive Prozesse wie Einschnitt, Trocknung und Weiterverarbeitung bieten erhebliche Optimierungspotenziale.
Ein Fokus lag auf dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ELWG) und dem Thema Lastmanagement. Ziel des Gesetzes ist es, Stromnetze effizienter zu nutzen, Investitionen gezielter zu steuern und Kosten verursachergerechter zu verteilen. Radauer fasst zusammen: „Wer Lastspitzen im Sägebetrieb aktiv steuert und Energieverbräuche flexibilisiert, kann seine Stromkosten langfristig deutlich beeinflussen und die betriebliche Effizienz steigern. Die Energieberatung dient dabei als Grundlage, um Einsparpotenziale systematisch zu identifizieren und wirtschaftlich umzusetzen.“
EUDR: Herausforderungen und Umsetzung in der Praxis
Die EUDR stellt die Forst- und Holzindustrie vor neue Anforderungen bei Dokumentation und Rückverfolgbarkeit. Trotz angekündigter Vereinfachungen bestehen weiterhin Unsicherheiten in der praktischen Umsetzung.
Beim Impulsabend gab Erwin Treml, Holztechnikum Kuchl, den Unternehmern einen Überblick zur geplanten Umsetzung der EUDR. „Mit der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) verfolgt die EU u. a. das Ziel mit Nachweispflichten die Entwaldung, Waldzerstörungen und Handel mit illegal geerntetem Holz zu unterbinden. Der Ansatz klingt aufs erste nicht verkehrt, jedoch liegen die angesprochenen Probleme eher außerhalb Europas. Bei uns im Inland bestimmt bereits ein strenges Forstgesetz die Waldernte, eine Einführung der EUDR wird ohne erkennbaren Mehrwert einen erheblichen bürokratischen Aufwand mit sich bringen“.
Die Anwendung der EUDR ist derzeit gestaffelt geplant. Für große und mittlere Unternehmen soll sie voraussichtlich ab Ende 2025 / Anfang 2026 verbindlich werden, für kleinere Betriebe mit Übergangsfristen im Jahr 2026. Anpassungen und weitere Klarstellungen auf EU-Ebene sind jedoch weiterhin möglich. Aus heutiger Sicht wird der erste Akteur in der Wertschöpfungskette, in der Regel der Waldbesitzer oder eine von ihm bevollmächtigte Person verpflichtet, das geerntete Rundholz einzumelden und eine Referenznummer zu erstellen. Diese muss an den ersten nachgelagerten Marktteilnehmer weitergegeben und von diesem mindestens über fünf Jahre einsichtbar abgelegt werden. Eine Weitergabe der Referenznummer an nachgelagerte Marktteilnehmer ist aktuell nicht vorgesehen.
Für Sägewerke bedeutet das: Der Fokus wird künftig verstärkt auf digitalen Systemen zur Rückverfolgbarkeit und einer sauberen Dokumentation entlang der Lieferkette liegen. Wer seine internen Prozesse optimiert, kann den bürokratischen Aufwand mit Zeitersparnis in Logistik & Co ausgleichen.
Digitale Anwendungen im Sägewerk, kann so einfach sein.
Marco Kner, Mitbegründer von COISS, betonte in seinem Vortrag zur Digitalisierung im Sägewerk die Bedeutung nachhaltiger Lösungen für bestehende Maschinen. „Anstatt gut funktionierende Anlagen zu ersetzen, setzen wir auf einfach nachrüstbare Sensorik, die ohne Eingriff in die Elektrik installiert werden kann und innerhalb weniger Minuten einsatzbereit ist. Die Sensoren erfassen über Vibration und Hitzedetektion Echtzeitdaten, die in unserer eigenen Softwareplattform ausgewertet werden. So erhalten holzverarbeitende Betriebe einen umfassenden Überblick über Maschinenbetrieb, Stromverbrauch und potenzielle Brandrisiken“, beschreibt Kner den Ansatz. Mit diesen niederschwelligen, schnell implementierbaren Lösungen unterstützt COISS sowohl kleine als auch große Betriebe dabei, Effizienz zu steigern, Ausfälle zu vermeiden und die Lebensdauer ihrer Anlagen nachhaltig zu verlängern.
Mit geförderten Beratungen Einsparungspotenziale für mehr Effizienz entdecken
Abschließend stellte Merlin Schönthier-Richter die zu 50% geförderten Beratungsmöglichkeiten des umwelt service salzburg vor. Neu im Programm ist das Beratungsmodul Lastmanagement & Speicher, das bereits im Beitrag von Andreas Radauer erwähnt wurde. Zusätzlich werden Betriebe in weiteren Bereichen rund um nachhaltiges Energie- und Ressourcenmanagement unterstützt und über aktuelle Entwicklungen informiert. Sein Tipp an alle Anwesenden: Das kostenlose Erstgespräch unbedingt in Anspruch nehmen, um herauszufinden, wo man im Betrieb Kosten und Ressourcen einsparen kann.
Neben fachlichen Impulsen bot der Abend Raum für Austausch, Diskussion und Vernetzung innerhalb der Branche – ein wichtiger Faktor, um gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen der Zukunft zu entwickeln.
Fotos: proHolz & Holzcluster Salzburg
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