Nachbericht: Auf Zeitreise bei der Stadtexkursion Elisabteh Vorstadt

Unter dem Motto „Blick hinter die Kulissen“ führte uns Architekturvermittlerin Andrea Rosenberger-Großschädel vom Salzburger Hauptbahnhof durch die Elisabethvorstadt bis ins Andräviertel. Dabei zeigte sich einmal mehr, wie vielfältig die Salzburger Stadtarchitektur ist: Gründerzeit, Jugendstil, Zwischenkriegs- und Nachkriegsarchitektur stehen hier dicht nebeneinander und erzählen ihre ganz eigene Geschichte.

Auftakt am Hauptbahnhof: Wo Salzburg zur Eisenbahnstadt wurde

An einem kühlen Sommertag trafen sich … Nein, nein, das wäre die Märchenversion unseres Nachberichtes! Also jetzt richtig: Bei Sonnenschein und Hitzewarnung begrüßten wir am 28. August 2026 zahlreiche Teilnehmer:innen zur alljährlichen Stadtexkursion des Holzcluster Salzburg. Die Hitze konnte unserer Gruppe dabei nichts anhaben.

Die Tour startete dort, wo für viele Reisende Salzburg beginnt: am Hauptbahnhof. Mit seiner Fertigstellung im Jahr 1860 erhielt Salzburg Anschluss an das internationale Eisenbahnnetz. Zwischen 1907 und 1909 wurde der ursprünglich als Durchgangsbahnhof angelegte Bahnhof zum Inselbahnhof umgebaut und steigerte somit seine internationale Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt. Rund um den Bahnhof entstanden neue Verkehrswege, Hotels, Geschäfts- und Wohnhäuser und prägten die Elisabethvorstadt nachhaltig.

Auch am Bahnhof selbst lässt sich Geschichte ablesen: Die historische Bahnhofshalle und die markante Stahlkonstruktion des ehemaligen Mittelbahnsteigs stammen noch aus der großen Umbauphase vor dem Ersten Weltkrieg. Der Bayerische Pavillon und das Gleis 1 sogar noch von 1860. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof wiederaufgebaut und über die Jahre mehrmals verändert. Die große Generalsanierung von 2009-2014 kombiniert elegant den historischen Baustil mit funktionaler moderner Architektur.

Der Bayerische Pavillon: Repräsentation auf Reisen

Ein besonderes Highlight war der Blick in den sogenannten Bayerischen Pavillon, der heute in den ÖBB-Verwaltungstrakt integriert ist. Ursprünglich gab es zwei eigene Empfangsgebäude: Eines für den österreichischen Kaiser und eines für den bayerischen König. Erhalten blieb nur der Bayerische Pavillon, der in Stil und Größe erahnen lässt, wie wichtig Repräsentation einst auch beim Reisen war. Schmunzeln ließ unsere Gruppe der Hinweis auf die aufgemalte Holzoptik an den Lisenen, nur die Kassettendecke weist wirklich Holz auf.

Hotel Europa & Kieselgebäude

Beim Verlassen des Bahnhofsplatz, landeten wir in der „Nachkriegszeit“, beim Hotel Europa. Das Hotel von Josef Becvar aus dem Jahr 1957 bildet einen deutlichen Kontrast zur historischen Umgebung. Mit seinen 56 m war es bei seiner Errichtung das erste Hochhaus Salzburgs und wurde zu einem weithin sichtbaren Symbol des wirtschaftlichen Aufbruchs. Der schlanke Baukörper, die moderne Formensprache und der bewusste Umgang mit neuen Materialien stehen für das architektonische Selbstverständnis der 1950er-Jahre. Gleichzeitig war das Hochhaus im Stadtbild nicht unumstritten. Becvar verband die sparsame Konstruktion mit zahlreichen gestalterischen Details: Mosaike, Fresken und zeittypische Ausstattung machten das Hotel zu einem charakteristischen Bau seiner Zeit.

Mit dem ehemaligen Druck- und Verlagshaus Kiesel an der Rainerstraße wechselte die architektonische Zeitreise erneut die Epoche. Wunibald Deininger, Schüler von Otto Wagner, verband traditionelle Bezüge mit modernen und expressiven Formen. Die konkav einschwingende Schauseite, klare Linien, Rücksprünge und die markante Bauplastik verleihen dem Gebäude eine starke Präsenz. Funktionalität und Repräsentation gehen hier Hand in Hand: Das Gebäude war Produktionsstätte und zugleich die Visitenkarte eines bedeutenden Verlagshauses. Besonders interessant war der Blick ins Stiegenhaus, denn gerade dort zeigt sich wie konsequent Architektur auch in den vermeintlichen Nebenbereichen eines Gebäudes durchgestaltet wurde.

Haus Winkler & Feichtinger | Wiener Städtische

Auf dem Weg zur nächsten Station begegnete uns mit dem Haus Winkler & Feichtinger von Jakob Ceconi ein weiteres Kapitel der Salzburger Architekturgeschichte. Um 1900 suchte der Jugendstil nach einer zeitgemäßen Formensprache und löste sich zunehmend von den historischen Vorbildern des Historismus. Ornamente, Fassaden und Innenräume wurden stärker als zusammenhängendes Gestaltungskonzept gedacht. Jakob Ceconi prägte gemeinsam mit seinem Vater Valentin die bauliche Entwicklung Salzburgs maßgeblich. Am Haus Winkler & Feichtinger ließ sich nachvollziehen, wie Repräsentation und Individualität auch im Wohnbau dieser Zeit eine wichtige Rolle spielten.

Am Max-Ott-Platz wartete mit der Wiener Städtischen Versicherung von Paul Geppert dem Älteren ein Bau aus den Jahren 1932/33 auf unsere Gruppe. Geppert entwickelte sich von einer zunächst stärker historistisch geprägten Architektur zu einer modernen Formensprache. Besonders auffällig ist die konkav zurückschwingende Eckfassade mit der vertikalen Öffnung des Stiegenhauses. Die horizontal gegliederten Gebäudeflügel mit Balkonen und Fenstern bilden dazu einen spannenden Kontrast. Die überlebensgroßen Figuren greifen mit ihren Themen Fürsorge und Versorgung das Selbstverständnis des Versicherungsunternehmens auf.

Mietshaus-Vestibül Haydnstraße

Die letzte Station führte noch einmal zurück an die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Mit einem Blick in das Mietshaus-Vestibül in der Haydnstraße, ein Bau von Jacob Ceconi, bekamen die Teilnehmer:innen ein Gefühl für die architektonische Sorgfalt von damals. Gerade Eingangsbereiche waren häufig kleine architektonische Bühnen: Türen, Stiegenhaus, Wandgestaltung, Beleuchtung und Bodenbeläge bildeten ein sorgfältig abgestimmtes Ensemble. Wobei hier auch innerhalb der Gruppe die Diskussion aufkam, ob man nicht mit zu vielen Details arbeitete? Das bleibt vermutlich Geschmacksache.

Netzwerken & Ausklang in der Franz-Joseph-Straße

Zum Abschluss ging es zum gemütlichen Netzwerkausklang in die Academy Bar in der Franz-Joseph-Straße. Bei einem verdienten kühlen Getränk und Bosna vom „Goldenen Teller“ wurden die Eindrücke des Nachmittags noch einmal ausgetauscht und bereits Pläne für die Stadtexkursion 2027 geschmiedet!

Fotos: Holzcluster Salzburg

Mehr entdecken

Nach oben scrollen